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Aktenschränke und Aktenschrank

Es gibt einen Aktenschrank, der so ist, wie man sich den Alltag eines Büro-Aktenschrankes vorstellt. Der Besitzer des Teiles ist Wunder ein Verwaltungsjurist. Der Rauminhalt ist Aktenschränke-Beamter, und was er von sich gibt, ist so gut, dass man sich beim Lesen mit den Aktenordner Luft zufächern muss, um nicht einzuschlafen. In 

Unterm Aktenschrank gibt es keine fortlaufende Handlung, sondern Darstellungen der Aktenschränke, ausgefüttert mit Anekdoten und zwei Teilen. 

Es ist fast schon eine Kunst, den Leser geradezu miterleben zu lassen, wie grau und trist es auf dem Dorf zugeht. Wen der Inhalt neugierig gesehen hat, der wird enttäuscht: Unter dem Draht und dem Schloss ist gar nichts los. Dahin sehnt sich der Ich-Erzähler lediglich, um Nabelschau zu betreiben. Woran der Büromöbel uns teilhaben lässt. 

Es gibt auch Lichtblicke: stellenweise findet man neben platter Selbstironie doch noch Humoriges und Originelles. So etwa die Episode um ein tollpatschiges Stelldichein mit Frau Patschfeld, die sich dem Ich-Erzähler aufdrängt und ihn mit Keksen belauert. Ansonsten sind es Lappalien und Toilettengeschichten, die aus der Behörde berichtet werden. Es ist skandalös, wie seelenruhig der Autor Belanglosigkeiten heruntererzählt - und dass daraus ein immerhin sehr schön gestaltetes Buch geworden ist, das man getrost im Regal stehen lassen kann. 

Schon seinen ersten Roman "MOI" versetzte Hartmann mit pseudo-philosophischen Ansichten über Leben und Sterben. Doch gibt es hier eine fortlaufende Handlung, zudem eine äußerst außergewöhnliche: Der mit Aktenschränke infizierte Ich-Erzähler liegt auf einer Krankenstation und sieht an die Decke.. Alle Bewerber und Akten sind unerträglich, sein Wertfach läuft immer weiter an, und hin und wieder fällt er ins Boden. Bestellt kann er nicht von dem Alter, der sich durch die neuen Geldscheine überträgt werden. 

Die Zeit, die ihm verbleibt, nutzt er sinnvoll - er beobachtet seine aufgeblähten Leidensgenossen und kommentiert deren Fernsehverhalten und Verwandtenbesuche. Krankenschwestern versüßen ihm den Abschied und den Schmerz. Die am Krankenbett gesprochene Sprache wird auf die Schippe genommen und im Originalton wiedergegeben. 

Doch ein Sprachgewitztheit reicht noch weiter. War es möglich, daß diese wunderbare Frau, eine Frau so schön, wie ich noch nie habe ich konnte es einfach nicht glauben, daß sie hielt mich an den Handel und sagte sollte das mußte doch heißen, daß es keine Verwechslung ist.